Kirgistan 97 - eine Reise wert
ein Reisebericht über Kirgistan
Bilder aus Kirgistan
Weitere Informationen und Links...

Wadim am Funkgerät

Ein Yak

Der Kontrollposten in Engilchek

Der Wachturm der Kaserne

Engilchek-Tal

Postkarten-Idylle

Reifenpanne

Die Viererbande

Die Viererbande

"Zweisitzer"

Pferdegespann

Sonnenuntergang in Kirgistan

Donnerstag, 2.10.
Es ist 8:30 Uhr und wir sitzen beim Frühstück. In 14 Stunden müssen wir am Flughafen sein, es liegen aber noch mindestens 550 km vor uns, wenn wir die gleiche Strecke wieder zurückfahren. An eine Fahrt über Bischkek (etwa 900 km) ist sowieso nicht mehr zu denken. Wir beginnen zu rechnen: für die Strecke Almaty-Karakol haben wir gute sechs Stunden benötigt. Mit den sechs Stunden, die der LKW nach Karakol braucht, sind wir bei 12 Stunden. Also bleibt uns nicht mehr viel Zeit.
Immer wieder wird am Vormittag das Diesel-Aggregat gestartet, das dem Funkgerät den nötigen Strom liefert. Wadim, der über Funk Instruktionen aus Karakol empfangen soll, wird dort nicht verstanden. Immer wieder beginnt Wadim mit seinem Funkspruch von vorne und immer wieder antwortet der am anderen Ende mit den gleichen Worten.
Es ist bereits 11 Uhr, uns läuft die Zeit davon. Endlich kommt die Auskunft, daß wir um 12 Uhr das Camp mit dem Lastwagen verlassen werden. In dieser verbleibenden Stunde werden alle wertvollen Gegenstände wie Stromaggregat, Gasherd, Funkgerät, die Stahlbetten und die Öfen aus unseren Zelten ebenfalls auf den LKW verladen. Das Camp wird also nicht nur von uns verlassen...
Hans und ich sitzen im Führerhaus. Nachdem es nur einen Beifahrersitz gibt, nehme ich in der Mitte auf der Motorabdeckung Platz. Von bequem kann zwar keine Rede sein, aber immer noch besser als hinten auf der Ladefläche.
Auf einmal bremst der Fahrer ab. Etwa zehn Meter neben dem Weg steht ein Yak. Da mir die Sicht vom Führerhaus aus durch einen Busch behindert wird, ersuche ich Hans, mich aussteigen zu lassen. Hans öffnet die Tür und ist gerade in Begriff, seinen rechten Fuß auf den Boden zu setzen, als dieser schwarze Kerl mit zwei Sätzen und einem bedrohlichen Urlaut unvermutet auf uns zukommt. Hans entschließt sich blitzschnell, doch wieder im Führerhaus Platz zu nehmen. Den Zweck, daß ich einige Fotos machen kann, hat es aber erfüllt.
Beim Kontrollposten in Engilchek führen Sascha und Wadim ein kurzes Gespräch. Daraufhin wendet der LKW. Unsere Fragen werden nicht verstanden. Wir fahren über die Landebahn des aufgelassenen Flughafens von Engilchek zu einer Kaserne, wo sich Sascha und Mischa kurz mit den Torposten unterhalten. Mir fällt auf, daß in der Kaserne russische Fahnen hängen (Marupchan erzählt mir dann später, daß die Grenze zu China noch immer von russischen Truppen bewacht wird). Wie sich später herausstellt, bekommen die zwei von den Soldaten die Auskunft, wo wir Johann, Marupchan und die zwei Führer Oklik und Taalai finden. Und tatsächlich, einige Kilometer östlich von der Kaserne warten zwei Autos und einige Personen.
Unser Dolmetscher und Igor, ein Vertreter des Veranstalters, begrüßen uns, aber von Johann, Oklik und Taalai ist nichts zu sehen. Marupchan erzählt uns, daß er seit gestern abend hier wartet. Geschlafen hat er im Auto von Anatoli, einem Freund des Veranstalters Beck, der von ihm gebeten worden ist, hier zu helfen. Soweit wir bis jetzt wissen, ist auch geplant, daß uns Anatoli nach Karakol bringen soll. Aber wie sollen wir das Flugzeug noch erreichen, wenn von Johann weit und breit keine Spur ist und wir daher zum Warten verurteilt sind.
Wir reden auf Igor ein, etwas zu unternehmen, daß wir noch rechtzeitig nach Almaty kommen, da es ansonsten Probleme für uns und seine Firma geben würde. Er solle einen Hubschrauber organisieren, schließlich sei am Beginn der Reise diese Möglichkeit auch angeboten worden. Ich habe den Eindruck, daß ihm der Ernst der Lage sehr wohl bewußt ist, aber schweigend warten wollen wir auch nicht.
Endlich! Um ½ 4 Uhr kommen die drei. Die Feststellung, ob die Jagd erfolgreich war, ist in diesem Moment eher nebensächlich - jetzt gibt es für uns wichtigeres. Aufgrund der gedrückten Stimmung erübrigt sich sowieso jede Frage.
Anatoli, der uns jetzt fährt, macht uns wieder Mut - erstens durch seine Aussagen, daß wir das leicht noch schaffen werden und zweitens durch sein Fahrtempo, das an diesen Aussagen keinen Zweifel läßt. Beim Kontrollposten in Engilchek fahren wir mit vollem Tempo durch. Anatoli und sein Wagen sind hier eben bekannt, und eilig hat er es offensichtlich auch immer. Der LKW, der unseren Wartepunkt schon etwa eine halbe Stunde vor uns verlassen hat, ist bald eingeholt.
Der Minibus, der uns weiter nach Almaty bringen soll, wird uns angeblich entgegen kommen. An einer Wegekreuzung bleibt der Fahrer stehen. Das Auto hat rechts hinten einen „Platten". Anatoli beruhigt uns, es wird nicht lange dauern. Diese Minuten bieten mir die Gelegenheit, kurz vor Sonnenuntergang die für mich schönsten Bilder dieser Reise einzufangen. Um uns herum ist auf einmal Leben, vier Buben kommen herangelaufen, lassen sich bereitwillig fotografieren. Ich werde sie als die „Viererbande" in Erinnerung behalten. Zwei Jungs kommen auf einem Pferd angaloppiert. Auf der anderen Seite zieht ein Pferd einen Heuhaufen. Ein Pferdegespann hebt sich gegen die untergehende Sonne ab...
Wir fahren weiter und wenig später ist es dunkel. Vom Minibus ist noch immer nichts zu sehen. Wir sind nicht mehr weit von Karakol entfernt, als Anatoli plötzlich abbremst. Auf der anderen Straßenseite warten drei Autos. Mittelklasse-Wägen (Mercedes 190, Mazda 626 und ein Golf), die eher untypisch sind für diese Gegend. Wir erkennen Beck, den Veranstalter. Also hat er statt dem Minibus schnellere Autos organisiert, damit wir noch rechtzeitig zum Flughafen kommen.
Bei der Begrüßung wird uns eine Dame vorgestellt, die uns nach Almaty begleiten wird. Irina, die nebenbei ausgezeichnet deutsch spricht, ist Vetreterin der staatlichen Tourismusagentur und sehr um unser Wohlergehen bemüht.
Wir verteilen uns auf zwei PKW’s, Beck fährt alleine in seinem Golf. Wir werden die gleiche Strecke wieder zurückfahren, auf der wir vor eineinhalb Wochen gekommen sind. Die anschließende Fahrt würde ich unter den Titel stellen: „Wie bewältige ich eine Strecke von 360 km auf teilweise unbefestigten Wegen in vier Stunden, ohne auf das Material zu achten..."
An der Grenze zu Kasachstan wieder das gleiche Bild wie bei der Hinfahrt. Beiderseits der Fahrbahn stehen dutzende Lastwagen, die offensichtlich auf die Ausreise warten. Beck, der im Moment unseren Konvoi anführt, hat für Grenzaufenthalte keine Zeit. Er wählt einfach die Spur für die Einreise nach Kirgistan, da ist der Schranken offen. Und schon sind wir in Kasachstan. Hier werden die Fahrbahnverhältnisse bald besser, daher geht es noch zügiger weiter.
Auf einem Wegweiser kann ich „Alma-Ata 120" erkennen, es ist 22:50 Uhr, und unser Flugzeug startet um 1:50 Uhr. Wir werden es also schaffen.

Freitag, 3.10.
Kurz nach Mitternacht kommen wir am Flughafen in Almaty an. Wir haben noch Zeit, in einem Lokal eine Kleinigkeit zu essen. Danach überreicht Beck jedem von uns eine Landkarte von Kirgistan sowie einen Kolpak, den typischen Hut, den die Kirgisen tragen. Hans und Johann bekommen aufgrund ihres Alters einen Kolpak mit schwarzem Rand, meiner ist ganz weiß, nur mit schwarzen Stickereien (Dschakup und einer der Viererbande tragen solche Hüte). Wie es sich für einen guten Geschäftsmann gehört, ersucht er uns auch, ihm positive als auch negative Kritik mitzuteilen, um daraus zu lernen. Anmerkung: Was ich sowohl vor Ort als auch mit diesem Reisebericht getan habe...
Anschließend begleiten uns Irina und Beck, um uns bei den Zoll-Formalitäten und beim Einchecken behilflich zu sein. Marupchan, Igor und die Fahrer kümmern sich um unser Gepäck. Danach verabschieden wir uns von sehr netten Leuten, die alles versucht haben, um unsere Wünsche zu erfüllen. Daß es für einen Jäger nicht geklappt hat, dürfte Beck und seine Leute mehr schmerzen als den Gast. Aber vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

Eine Reise in ein schönes Land und zu netten Menschen geht zu Ende. Was bleibt, ist das Bewußtsein, daß Kirgistan ein Land ist, das es wert ist, um wiederzukommen...
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